Sankt Augustin. Der Wasserverband Rhein-Sieg-Kreis beginnt mit der Umlegung des Schleuterbaches sowie die Offenlegung des Siemensbaches. Hintergrund ist eine Sanierungsverfügung der Bezirksregierung, wonach das Gewässer vom Abwasserkanal abgekoppelt werden muss. So wird künftig kein Bachwasser mehr in die Mischwasserkanalisation eingeleitet und die Kläranlage in Menden entlastet.
Besonders interessant für die Anlieger: Durch die Offenlegung des Siemensbaches im unteren Gewässerabschnitt wird die Hochwassergefahr im Gewerbegebiet deutlich verringert. Auch Anlieger des Wohngebietes können künftig von einer weitaus geringeren Hochwassergefahr ausgehen.
Der Grund: Das neue, offene Gewässerprofil weist im Gegensatz zum alten eine weitaus größere Abflussleistung auf. Als Träger der Maßnahme realisiert der Wasserverband Rhein-Sieg-Kreis das seit 2007 geplante Projekt. ‚Wir freuen uns, dass unsere eigenen Fachkräfte vor Ort tätig sind‘, sagt Geschäftsführerin Martina Hirschberg. Der Wasserverband handele hier in einem besonders sensiblen Bereich, hier ist viel Expertenwissen gefragt.

Der Schleuterbach

entspringt südlich des Ortsteils Niederberg in einem Waldgebiet in etwa auf der Höhe von Schloss Birlinghoven. Nach etwa 1,3 Kilometer in Wald- und Wiesengelände durchfließt er eine Teichanlage, dahinter folgen noch ca. 200 Meter freie Lauffläche am Rand des Waldgebietes. Hier mündet der Schleuterbach in eine Verrohrung ein, die bis zur Kläranlage in Menden führt.

Der Teich

Über das Jahr staut sich das Wasser im Teich stets bis zur Uferoberkante auf. Andererseits trocknet der Teich in den Sommermonaten stark aus und verlandet zunehmend. Eine Überlaufrinne sichert den kontinuierlichen Abfluss in das neue Bachbett. Das alte, vorhandene Ablauflaufbauwerk (Beton) wird zurück gebaut. An seiner Stelle entsteht ein mit Erde aufgeschütteter, naturnah gestalteter Damm.

Der Siemensbach

Circa 400 Meter östlich des Schleuterbach befindet sich der Siemensbach. Auch dieses Gewässer wurde im Zuge der Bebauung im Bereich der Straße ‚Am Siemensbach‘ teilweise in Rohre gefasst, und unter dem Gewerbegebiet hindurch dem Pleisbach zugeführt wird.

Neue Bachtrasse

Beide Gewässer werden über eine lange Strecke offen und naturnah geführt. Die neue Bachtrasse beginnt am Ablauf des Teiches Richtung Osten und führt hin zum Siemensbach. In dem Bereich, in dem der Schleuterbach in den Siemensbach münden wird, soll auch der Siemensbach bis zur Alten Heerstraße offengelegt werden. Die geplante Offenlegung erfolgt entlang des Spazierweges Richtung Osten bis zum Waldweg. Von dort aus verläuft das neue Gewässerprofil innerhalb des mit Büschen und Bäumen bewachsenen Grünstreifens zwischen dem Gewerbegebiet und Waldweg. Am Spazierweg wird das vorhandene Bachprofil genutzt. Kurz vor der Einmündung zum Siemensbach kreuzt der Schleuterbach künftig den Spazierweg. Hier wird eine Holzbrücke gebaut, ebenso im unteren Bereich.

Archäologische Baubegleitung

Nach Erkenntnissen des LVR, Amt für Bodendenkmalpflege, befinden sich auf dem Areal Hügelgräberfelder aus der Bronzezeit. Die eigentlichen Hügel wurden im Laufe der Zeit bei der landwirtschaftlichen Bearbeitung von Flächen eingeebnet. Erhalten sind regelmäßig nur noch die im Boden eingetiefte Urnen- oder Skelettbestattungen. Daher könnten bronzezeitliche Gräber (Bodendenkmäler) bei den Arbeiten gefunden werden. Ein Archäologe begleitet deshalb die Erdarbeiten.

Handlungsrahmen

Die Wasserrahmenrichtlinie gibt unter anderem den ökologischen Ausbau von Fließgewässern vor. Demnach ist die Durchgängigkeit und die Orientierung am Leitbild für Tieflandbäche in Deutschland vorgegeben. Besonderheit: Der Schleuterbach gehört zu den in der Region seltenen Gewässertypen. Nur acht Prozent der Fließgewässer in NRW entsprechen dem so genannten sandgeprägten Tieflandbach. Hinzu kommt: Im Sommer trocknet der Schleuterbach regelmäßig aus, er führt dann kein oder sehr wenig Wasser.

Ökologische Besonderheiten

In dem so ausgeprägten spezifischen Lebensraum leben besondere, sehr seltene und gefährdete Tierarten: Eintags- und Köcherfliegen (Metreletus balcanicus, Siphlonurus armatus, Eronoquia dubia) sowie Ringelwürmer (Lumbriculus variegatus).