Pilotprojekt zum Hochwasserschutz angelaufen

Wasserverband Rhein-Sieg-Kreis, Wissenschaftler und Kommunen erarbeiten Maßnahmenpaket

Im Juni 2012 jährt sich ein besonders starkes Unwetter mit teils verheerenden Schäden: Heftige Regenfälle überspülten im vergangenen Sommer Teile von Königswinter in nur wenigen Minuten. Weil die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr aufnehmen konnte, verwandelten sich Straßen in Flüsse, viele Keller liefen voll, Bäche traten über die Ufer, in Oberdollendorf kam es zu einem tragischen Unglücksfall.
„Hochwasservorsorge umfasst viele Einzelstrategien“, so Martina Hirschberg vom Wasserverband Rhein Sieg Kreis. Die Geschäftsführerin des Wasserverbandes weiß aus Erfahrung um Risiken, Folgen und erheblichen Schäden. Gerade die Hangbebauung im Siebengebirge, die hohe Siedlungsdichte unterhalb und begrenzte Kapazitäten der kommunalen Ablaufkanäle haben in den vergangenen Jahren zunehmend eines systematische und abgestimmte Regelung des Wasserabflusses notwendig gemacht.
In einem Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn sollen daher jetzt weitere Optionen und Parameter für den Hochwasserschutz erarbeitet werden. Erste Gespräche haben bereits mit der Stadt Königswinter, dem Landesbetrieb Wald und Holz sowie der Landwirtschaftskammer auf Initiative der Unteren Wasserbehörde stattgefunden, allerdings sei die Finanzierung noch offen, so die Geschäftsführerin.
Auch die starken Überschwemmungen im Mühlenbachtal, Königswinter-Oberdollendorf und Vinxel lieferten den Experten für Vorflutsicherung Anlass genug, nach weiteren Lösungen für einen effektiven Hochwasserschutz sowie Möglichkeiten des Rückhaltes zu suchen. So erfasst die Stadt Königswinter derzeit ihre Anlagen am Gewässer, wie etwa Durchlässe oder Verrohrungen.
In einem zweiten Schritt soll das so genannte Niederschlags-Abfluss- Modell (NA-Modell) Kenngrößen und Möglichkeiten weiterer Rückhaltungen aufzeigen. Gleiches gilt für den Bereich des Eichenbach in Königswinter. Auch hier soll die hochkomplizierte Simulation Aufschluss darüber geben, welche Maßnahmen zum Hochwasserschutz sinnvoll und notwendig sind.
Martina Hirschberg appelliert jedoch auch an die Eigenvorsorge. Denn was wenig bekannt, aber folgenschwer ist: „Weder die Kommunen noch der Wasserverband haften für Hochwasserschäden. Einen absoluten Schutz vor Hochwasser kann niemand gewährleisten und es gibt keine gesetzlichen Vorgaben zum Gebäudeschutz. So gesehen ist Hochwasserschutz reine Privatsache.“ Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch die Überprüfung des Versicherungsschutzes.
Hochwasser-Erfahrene wissen worauf es ankommt, wenn Wassermassen eindringen. Denn dann gilt es, das Schlimmste zu verhüten: So müssen Kellerräume und andere betroffene Gebäudeteile geräumt werden. Gut beraten ist, wer regelmäßig die Hausentwässerungsanlage sowie die Rückstauklappen im Keller von einem Fachbetrieb überprüfen lässt.
Ganz wichtig ist der Schutz der Heizungsanlagen, sie müssen abgeschaltet und der Brenner sogar ausgebaut werden. Bevor das Hochwasser kommt, sollen Kraftfahrzeuge von offenen Stellplätzen geräumt und sicher außerhalb des Hochwasserbereiches untergebracht werden.
Weitere Informationen gibt es beim Wasserverband Rhein-Sieg-Kreis. Auf seinen Internetseiten bietet der Verband unter www.wasserverband-rsk.de eine Checkliste für Wohngebäude (Quelle: Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen) an und zeigt sinnvolle Maßnahmen zum Hochwasserschutz auf. Aber auch Stadt- oder Gemeindeverwaltungen sowie die Abwasserwerke geben dazu können hierzu Auskünfte