Maßnahmen dienen dem Hochwasserschutz und der ökologischen Aufwertung beider Bäche

Ortskundige Spaziergänger wundern sich in diesen Tagen. Der Wasserstand des rund ein Hektar großen Dauerstaus des Hochwasserrückhaltebeckens Obereiper Mühle fiel in den vergangenen Monaten auf rund 1/3 seiner ursprünglichen Menge.
Hintergründe: Die Absenkung ist gewollt und der Anfang einer umfangreichen ökologischen Aufwertung des Gewässersystems. Gleichzeitig verbessern die Mitarbeiter des Wasserverbandes Rhein-Sieg-Kreis den Hochwasserschutz für die Gemeinde Eitorf erheblich.
Über viele Jahre bot der „Obereiper See“ ein beschauliches Bild: In die rund ein Hektar große Wasserfläche münden der Wohmbach und der Eipbach, dicht bewachsene Areale haben das Gewässer für viele Menschen zu einem Ziel mit Naherholungswert gemacht. Doch die Idylle trügt. Der Dauerstau schneidet den Oberlauf des Eipbaches und das größere Nebengewässer Wohmbach ganz vom weiteren Verlauf ab. Das soll jetzt anders werden.
Die neu formulierten Bewirtschaftungsziele im Wasserrecht fordern für die Gewässer einen „guten ökologischen Zustand“, den der Eipbach im Oberlauf nicht erfüllt. Der Wohmbach mit seiner sehr guten Gewässerqualität kann dem Eipbach auch zu diesem „guten ökologischen Zustand“ helfen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Herstellung der Durchgängigkeit ohne Dauerstau und hohem Absturz entscheidend.

See verlandet zunehmend
Das in den 70er Jahren gebaute Hochwasserrückhaltebecken an der Obereiper Mühle war in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Stausee mit „ökologisch und wasserwirtschaftlich negativen Auswirkungen“ geworden, so Gutachter des Büros für Umweltanalytik Bonn/Essen. Über die Jahre strömten Stein- und Schlammmassen, so genanntes Geschiebe ein, der See verlandet zunehmend und wird immer flacher. Erwärmung, Algenbildung und Fäulnis im Dauerstau beeinflussen den Eipbach auch in seinem weiteren Verlauf.
Gemeinsam mit Naturschutzverbänden soll in den nächsten Monaten ein Konzept für die naturnahe Umgestaltung des Areals entwickelt werden, „wir wollen alle ins Boot holen“, so die Wasserverband, der sich im Auftrag der Kommunen im rechtsrheinische Rhein-Sieg-Kreis um den Hochwasserschutz im Netz der Mittelgebirgsbäche mit einer Länge von rund 1.600 Kilometern kümmert.

Karpfen umgesiedelt
„Jetzt ist das Ausmaß der Verlandung sichtbar“ erklärt Verbandsgeschäftsführerin Martina Hirschberg das aktuelle Landschaftsbild. Eng wurde es dadurch auch für den Fischbestand: Ende vergangenen Jahres siedelte die Sieg Fischerei-Genossenschaft bis zu hundert und bis zu zehn Jahre alten Karpfen um, „größere Exemplare konnten sich zum Teil nur noch im Schlamm fortbewegen.“
In den nächsten Monaten will der Verband in Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden ein Konzept erarbeiten, das der naturnahen Gestaltung und dem Hochwasserschutz Rechnung trägt. So soll die Durchgängigkeit der Bäche wieder hergestellt werden. Die Umgestaltung mit teilweisem Entfall des Dauerstaus soll auch dazu beitragen, für Eitorf einen hundertjährlichen Hochwasserschutz zu erreichen.

Obereip_1_0739

Schlammmassen ließen das Hochwasserrückhaltebecken Obereiper Mühle zunehmend verlanden.

Obereip_0741

Über den nun frei liegenden Flächen des Obereiper Sees war der Wasserstand zum Teil nur wenige Zentimeter hoch.