Großprojekt in Niederpleis blieb deutlich unter den erwarteten Kosten

Sankt Augustin. Gemächlich bahnt sich der Schleuterbach östlich des Niederbergs in Sankt Augustin seinen Weg in die Siegniederung. Doch erst seit wenigen Tagen erreicht sein frisches Wasser auch sein natürliches Ziel, die Sieg. Zuvor mündete der Tieflandbach, teils verrohrt und unterirdisch fließend, in die Kläranlage in Menden.
Der ungewöhnliche Umzug hatte viele Helfer und steht in seiner Größenordnung für ein bislang einmaliges Teamprojekt mit der Stadt Sankt Augustin im Verbandsgebiet. In einer Bauzeit von knapp einem Jahr schuf der Wasserverband Rhein-Sieg-Kreis ein neues, rund 600 Meter langes Bachbett, legte durch Rohre fließende Abschnitte des Siemensbaches frei und renaturierte das von Erholungssuchenden und Spaziergängern gerne genutzte Areal am Pleiser Wald.

Ökologische Aufwertung
Der neue Bachlauf hatte auch eine Umgestaltung der Umgebung notwendig gemacht. Laubbäume und standortgerechte Gehölze sorgen nunmehr für ein neues Landschaftsbild, in den nächsten Jahren entstehen neue Ökosysteme. Ufergehölze sowie gewässerbegleitende Baum- und Straucharten sollen den ökologischen Idealzustand sicherstellen, Totholz bietet heimischen Tierarten wichtige Brut- und Nistplätze.

Ausgangslage
Der Anlass für die Maßnahme liegt viele Jahre zurück, die Geschichte vom Fluss im falschen Bett ist lang und beginnt bereits Mitte der 80er. Nach einer Sanierungsverfügung der Bezirksregierung sollte das Gewässer vom Abwasserkanal abgekoppelt werden und die Kläranlage entlasten. Vor allem die Kosten sorgten für Wirbel, erste Schätzungen lagen bei immerhin mehr als 1,3 Millionen Euro.

Verfahren und Kosten
Über die Jahre wurden Varianten untersucht, verworfen, neue entwickelt und Interessen von Anwohnern berücksichtigt. Als der Rhein-Sieg-Kreis im März 2011 den Planfeststellungsbeschluss erteilte, lagen die Kosten laut Ing.-Büro Stelter aus Siegburg mit rund 420.000 Euro deutlich niedriger. Erfreulich für den Wasserverband, die Sankt Augustiner und ihre Stadtkasse: Die anteiligen Kosten blieben um rund 25 Prozent sogar unter dem berechneten Investitionsvolumen.

Meinungen und Ansichten
Beigeordneter Rainer Gleß freut sich über den finanziellen Erfolg, betont aber auch die Vorteile für die Anwohner: Durch die Offenlegung des Siemensbaches im unteren Gewässerabschnitt wird die Hochwassergefahr im Gewerbegebiet deutlich verringert. Zudem seien die Anlieger im angrenzenden Wohngebiet künftig besser vor Hochwasser geschützt.

Wasserverbandsvorsteher und Kreisplanungsdezernent Michael Jaeger lobt Koordination und Ausführung, hier haben Experten in einem hochsensiblen Bereich effektiv Hand in Hand gearbeitet und ein zukunftsfähiges Ergebnis geschaffen. Neben den Hauptakteuren waren der Landesbetrieb Wald und Holz beteiligt, Archäologe Dr. Andreas Vieten aus Erftstadt sowie die Landschaftsplanerin Ingrid Rietmann aus Königswinter begleiteten das Projekt unter der Leitung von Bauingenieurin Sigrid Röhrich.

Wir haben um jeden Baum gekämpft, erinnert sich die Projektleiterin an die Planung für das neue Bachbett. So konnten alte, hochgewachsene Eichenbäume bleiben. Stehen bleiben konnte ebenso ein rund 30 Jahre alter imposanter Mammutbaum.
Wasserverbandsgeschäftsführerin Martina Hirschberg hätte sich auch eine Renaturierung des Teiches oberhalb des neuen Bachbetts gewünscht, hier treffen Natur- und Gewässerschutz aufeinander. Als Träger der Maßnahme realisiert der Wasserverband Rhein-Sieg-Kreis das seit 2007 so geplante Projekt. Wir freuen uns, dass unsere eigenen Fachkräfte dies vor Ort umsetzen konnten, zieht sie Bilanz.

Ausblick 2013
Dem Schleuterbach folgen in diesem Jahr weitere Großprojekte. So werden der Wolfsbach und der Ahrenbach in Hennef ökologisch gestaltet werden und künftig den Anforderungen an hundertjährige Hochwasserereignisse Stand halten. Der Möschbach in Bad Honnef wird in den kommenden Jahren ein weiteres Projekt sein. In 2013 laufen bereits die Vorplanungen und Abstimmungen mit den Anwohnern zum naturnahen Ausbau.

1/2013: Kölner Stadtanzeiger zum Schleuterbach

1/2013: Generalanzeiger zum Schleuterbach

1/2013: Extrablatt zum Schleuterbach